Historischer Überblick

Die Bürgergemeinde ist für die Solothurner und Solothurnerinnen immer noch eine sehr wichtige Institution, die auch gepflegt wird. In diesem Kanton hat sich einiges getan, um die Bürgergemeinden zu stärken und Fusionen mit der Einwohnergemeinde zu verhindern. Diese starke Verbundenheit mit der Bürgergemeinde ist historisch bedingt:

Der Kanton Solothurn ist einer der wenigen Kantone, die nach der Helvetik (1798-1803) wieder die Bürgergemeinde als Einheitsgemeinde eingeführt haben. Vor allem die ländlichen Bezirke haben sich vehement gegen eine Reorganisation des Gemeindewesens widersetzt, aus Furcht, eine allfällige Aufteilung der Gemeindegüter könnte die Nutzungsrechte schmälern. (1836 hatte der Staat die Wälder und Allmenden den Gemeinden übertragen.) Da die Staatsverfassung von 1874 das allgemeine Mitbestimmungsrecht auf kantonaler Ebene und auch auf Gemeindeebene vorschrieb, wurde 1887, nach abgelehntem Gemeindegesetz, die Trennung zwischen Einwohner- und Bürgergemeinde sanktioniert.

Die Einbürgerung ist eine der Hauptaufgaben der Bürgergemeinde. Im Kanton Solothurn z. B. ist die Bürgergemeinde für folgendes zuständig:

  • Sie nimmt die Einbürgerungsgesuche entgegen
  • Sie holt die sog. Informationsberichte ein
  • Sie überprüft die gesetzlichen Voraussetzungen zur Einbürgerung durch und prüft z.T. die Antragsteller auf "Herz und Nieren" in einem Vorstellungsgespräch.
  • Schliesslich sichert sie dem Gesuchsteller das Gemeindebürgerrecht zu oder spricht es ab.

Die ursprünglichen Aufgaben der Bürgergemeinde waren das Armenwesen, modern die Sozialhilfe, und die Vormundschaft. Dieser Fürsorgebereich wurde für die Bürgergemeinden immer mehr zu einer Belastung, da jene seit längerer Zeit keine Steuereinnahmen mehr haben und sich durch die Erträge ihrer Besitztümer finanzieren. In den neunziger Jahren wurden die Sozialhilfe- und Vormundschaftsaufgaben an die Einwohnergemeinden abgegeben.

In vielen Kantonen und Gemeinden haben aber die Bürgergemeinden schon längst, neben dem Armenwesen, auch andersartige Aufgaben übernommen, die allen Einwohnern zugutekommen:

Der Unterhalt des Waldes wurde im 19. Jh. den Bürgergemeinden übertragen. Der Kanton Solothurn ist zu 40% bewaldet und der grösste Teil dieser Fläche gehört Bürgergemeinden; deshalb sind auch heute noch die Nutzung und Bewirtschaftung des Waldes im Kanton Solothurn eine der Kernaufgaben der Bürgergemeinden.

Im Kanton Solothurn haben sich auf den 1. Januar 1997 die fünf regionalen Waldwirtschaftsverbände und der Bürgerverband des Kantons Solothurn zum BWSo (Bürgergemeinden und Waldeigentümer Verband Solothurn) zusammengeschlossen. Dieser Verband erlaubt einheitliches und somit gestärktes Auftreten der Bürgergemeinden auch auf politischer Ebene. Er ist auch für die Öffentlichkeitsarbeit und Werbung zuständig.

Quelle: Ausschnitt aus „Die Schweizer Bürgergemeinden: ihre Herkunft ­ ihre Zukunft?“ , Arbeit von Marika Kiss für das Seminar Gemeindereformen bei Dr. Andreas Ladner, WS 1998/99